Vegan tätowieren? Ink not mink!

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Vegan tätowieren? Sind Tattoss vegan?

Vegan tätowieren – Leichter gesagt als getan? Viele werden die Kampagnenplakate und Bilder gegen das Tragen von Pelz kennen, die als Alternative Tattoos vorschlagen. Dem kann ich mich nur anschließen! Ob Tattoos einem gefallen oder nicht ist natürlich eine individuelle Sache und nichts worauf ich hier näher eingehen will. Genauso ist das Motiv etwas persönliches das nur dem Träger gefallen muss. Aber ob Tattoos vegan sind oder nicht und ob vegan tätowieren geht, will ich in diesem Artikel kurz erörtern.

Du möchtest dich also vegan tätowieren lassen

O.K. du bist überzeugt und läufst ins nächste Tattoo-Studio um endlich ein schickes Tattoo zu bekommen. Wenn Du aber auch bei diesem Schritt deiner ethischen Überzeugung folgen möchtest, gibt es ein paar Punkte die es zu beachten gilt. Auf dem Weg zum fertigen Tattoo sind viele Arbeitsschritte nötig und es kommen viele Materialien zum Einsatz.

Fangen wir einfach vorne an:

  1. Desinfektion:
    In der Regel kommen verschiedene Desinfektionsmittel in einem Tattoostudio zum Einsatz. Die Flächendesinfektion ist nichts was den Kunden „direkt“ betrifft, dient aber natürlich seinem Schutz. Das Hautdesinfektionsmittel ist natürlich in direktem Kontakt mit Dir. Hier gibt es in der Regel nicht viel zu beachten, da die Basis in der Regel Alkohol ist. Sollte dort dennoch Bedarf nach einer Alternative bestehen, gibt es eine riesige Auswahl in Drogeriemärkten.
  2. Rasur:
    Bevor es richtig losgeht, wird die zu tätowierende Stelle von Haaren befreit. Hierzu kommen Einwegrasierer zum Einsatz. Die ganz einfachen Rasierer bestehen nur aus den Klingen und dem Kunststoffgriff sind aber nur leider selten unbedenklich (zum Bsp. dieser Einwegrasierer von DM). Absolut sicher sein kannst Du dir nicht bei Einwegrasierern, da die Grundmaterialien – Farbbatch, Polypropylen-Kunststoff – in ihren polymeren Trägermaterialien zum Teil tierische Fette beinhalten. Das Problem hier ist ein ähnliches wie bei Zahnbürsten (siehe hier). Andere Rasierer haben zudem kleine Geleisen, bei denen man dann auf die Inhaltsstoffe achten sollte. Viele Drogerieketten bieten aber auch hier eine große Auswahl an veganen Produkten. Dies musst Du im Einzelfall prüfen.
  3. Abzug und Matrizen:
    Das ist eine weitere „Hürde“. Zwar gibt es die Flüssigkeit, die die Vorlage auf die Haut überträgt auch in veganen Varianten, doch im Matrizenpapier gibt es eine dünne Schicht aus Gelatine. Eine Alternative dazu ist die „einfachere“ Version der Vorlagenerstellung mit Durchschreibepapier. Hier kommt in der Regel keine Gelatine zum Einsatz. Bei einer Tätowierung die Freihand aufgezeichnet wird, ergibt sich dieses Problem nicht.
  4. Reinigung beim Tätowieren:
    Das meist verwendete Produkt hier ist Green Soap. Hier gibt es viele verschiedene Anbieter, die leider nur zum Teil ihre Inhaltsstoffe vollständig angeben. Im Onlinehandel finden sich hier als vegan gekennzeichnete Varianten. Achten sollte man hier auf den Inhaltsstoff Glycerin. Dieser kann pflanzlichen oder tierischen Ursprungs sein.
  5. Vaseline:
    Vaseline wird genutzt um die Haut geschmeidig zu halten und leichter von Farbüberschuss zu reinigen. Vaseline ist Petrolat, bzw. Petroleum-Gelee. Bei der Herstellung wird Aktivkohle verwendet die aus Tierknochen oder Blut hergestellt wird. Alternativen sind hier Versionen mit Pflanzenwachs, die es ebenfalls im Online-Handel gibt. Im Einzelhandel ist es eher schwierig so etwas zu finden.
  6. Die Farbe:
    Es gibt vegane Tattoofarben, soviel schonmal vorweg. Auch qualitativ hochwertige Marken geben den veganen Ursprung ihrer Produkte an. Hier ist es ein kleines bisschen wie bei anderen Kosmetikprodukten. Tattoofarben dürfen nicht mehr an Tieren getestet werden. Ob dies bei dem ein oder anderen Hersteller unter Umständen mal so war, lässt sich im Nachhinein nur schwer sagen.
  7. Nach dem Stechen:
    Die Pflege des Tattoos ist während der Heilung mindestens so wichtig wie das Tätowieren selbst, denn nur ein gut abgeheiltes Tattoo entfaltet seine ganze Schönheit und lässt seinen Besitzer ein Leben lang Spaß daran haben. In der Regel werden hier Wund- und Heilsalben verschiedener Pharmakonzerne genutzt. Auch rein pflanzlich gibt es hier in Apotheken verschiedene Produkte. Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus gibt es 2 speziell fürs Tattoo entwickelte Produkte. H2Ocean Tattoo Aftercare und TattooMed after tattoo. Es gibt noch mehr Produkte die Hauptsächlich auf Sheabutter basieren, zu denen ich aber nichts weiter sagen kann. H2O und TattooMed haben mich beide überzeugt und bei mir das gewünschte Ergebnis erzielt. Einen kleinen Vorsprung hätte die TattooMed Salbe bei mir, da meine Haut sehr empfindlich ist und hier einfach weniger beansprucht wirkte. Die Resultate waren in beiden Fällen perfekt.

Eine 100%ig vegane Tätowierung ist schwierig

Es ist also schon möglich, viele Punkte beim Tattoo zu beachten und vegan durchzuführen. Eine 100% Lösung wird es aber wahrscheinlich nicht geben. Diese Entscheidung kann euch also niemand abnehmen. Einen wichtigen Punkt möchte ich an dieser Stelle aber allen mit auf den Weg geben. Tätowierer sind Künstler oder zumindest Kunsthandwerker! Damit möchte ich sagen, dass viele Arbeitsabläufe und Materialien die sie verwenden, das Ergebnis jahrelanger Erfahrung sind. Ein Desinfektionsmittel zu wechseln stellt sicher keine Herausforderung da, aber eine andere Tinte, die unter Umständen ein anderes Flussverhalten und dem Tätowierer nicht bekanntes Ergebnis in der Haut erzielt, ist nichts was mal eben ausgetauscht werden kann. Sollte der Tätowierer also hier euren wünschen nicht entsprechen können, habt Verständnis und sucht weiter. Ich empfehle jedem der ein Tattoostudio betritt ein gründliches Vorgespräch mit dem Tätowierer über den Einsatz der Materialien. Natürlich genauso über das Motiv, aber das soll hier nicht das Thema sein. Für eure Haut und die Jahre die ihr mit dem Tattoo noch vor euch habt, solltet ihr an keiner Stelle Kompromisse eingehen.

Sind Tattoos vegan? Das hat PETA dazu zu sagen!

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