vegan vs. vegetarisch – and the winner is…

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Im Duell „vegan vs. vegetarisch“ gibt es einen eindeutigen Gewinner. Und das ist „vegan“. Die ethische „Einstiegsdroge“ Vegetarismus liegt angezählt am Boden und steht wahrscheinlich nicht mehr auf.


Leicht überzogen, aber so in etwa stellt sich das zumindest in Google-Trends dar (zieh mal den Scrollbalken nach rechts).

Dauerbrenner – Vegan als Dorn im Auge der „Anderen guten“

Das ewige Thema „vegan vs. vegetarisch“ beschäftigt die Netzgemeinde und die Offline-Welt ja nun schon eine Weile. Und dabei beschränkt sich der moralische Kleinkrieg nicht nur auf Vegetarier gegen Veganer. Das Gefühl moralisch auf der rechten Spur überholt zu werden ist für viele Vegetarier, Flexitarier, Ökos und „Ich kauf aber nur Bio-Fleisch“-Mamas & Papas einfach zu ätzend. Da hat man sich schon mal ethisch aufgerafft und glaubt sich auf der Seite der Guten und dann kommt da so ein Veganer mit dem moralischen Mittelfinger und seinen kühnen Thesen und zeigt einem, dass das alles nicht reicht und ja so wie so der falsche Ansatz dahinter steckt. Ethik 3.0 – willkommen im 21. Jahrhundert. Und die armen Allesesser oder neudeutsch „Omnivoren“? Die haben mittlerweile gar nichts mehr in der Hand, mit dem noch irgendwie moralisch plausibel gepunktet werden kann und flüchten sich in drittklassigen Humor á la Atze Schröder auf Acid (sh. als Beispiel die Kommentare hier) – wirkt offensiv, ist aber der klassische Angstbeißer – oder geben das obligatorisch, trotzige „Mir schmeckt’s aber nunmal!“ von sich. Manchmal glaube ich wirklich, dass wir Veganer leider so auf die meisten Menschen wirken: ethisch einschüchternd und Minderwertigkeit vermittelnd. Aber ist das unsere Absicht? Und können wir was dafür? Als ich noch klein war gab es in der Bugs Bunny Show so ein Stinktier. Das hat es auch immer nur gut gemeint. Hatte die besten Absichten – aber es stank halt. Und so geht’s uns Freunden der rein pflanzlichen Ernährung auch oft. Unsere Ethik stinkt. Sie stinkt einfach vielen Leuten, die unsere Nähe ertragen müssen – besonders, wenn man gemeinsam isst. Ob wir das wollen oder nicht.

Was hat das mit „vegan vs. vegetarisch“ zu tun?

Was ich eigentlich sagen will: Ich persönlich bin sehr zurückhaltend mit diesem mir wichtigen Thema – habe auch nur die besten Absichten – und ich sehe mich absolut nicht als moralisch überlegen. Das war bei mir als Spätpubertierender vielleicht bis zum 21ten Lebensjahr so, aber mittlerweile wissen wir es doch alle besser: Spätestens durch die omnipräsente, vegane Koch-Ikone Attila Hildmann haben wir gelernt, dass Nahbarkeit, ein Perlweiss-Lächeln (Ich geb zu, dass hab ich nicht ;-)) und nett verpackte Argumente einfach quantitativ mehr reißen als der viel zitierte und gehasste Oberlehrer.

Wir stehen an einem entscheidenden Punkt

Ich glaube, dass wir Veganer es gar nicht leicht haben. Es gibt einfach keine guten Argumente gegen eine vegane Lebensführung und der vegane Ansatz löst per se eine Menge Grundprobleme, denen sich andere Bewegungen nur explizit und vereinzelt widmen und darauf teilweise auch ihre Existenz und Daseins­berechtigung stützen. Das verunsichert und macht uns zur Zielscheibe wider Willen – sogar ohne aktiv provoziert zu haben (die Stinktier-Analogie). Aber wer sich exemplarisch mal den Verlauf in Google Trends des Themas „vegan“ anschaut, der versteht, dass wir derzeit wirklich an einem entscheidenden Punkt stehen: nämlich das Thema im Mainstream fest zu verankern und gesellschaftlich komplett zu etablieren.

Deswegen: Vergiss Ideologien und Dogmen. Keine Grabenkriege „vegan vs. vegetarisch“ oder „judäische Volksfront vs. Volksfront von judäa“ etc. und sei einfach nett! 😉 Am Ende des Tages müssen wir die Menschen doch einfach nur da abholen wo sie stehen und ihnen nicht vor den Kopf stoßen, selbst wenn uns dabei manchmal vor den Schädel geschlagen wird.

Und wenn Du so wie ich auch eigentlich kein Hippie bist und noch ein gesundes Maß Rest-Aggression in dir trägst, dann fällt Dir das manchmal sicher schwer. Ich wende mich in solchen Momenten immer der Musik zu.

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Kommentare

  1. Volker Freiesleben meint

    Moin, Herr Matthias Kampmann !
    Vegetarisch und Vegan gegeneinander auszuspielen, das ist m.E. kontraproduktiver Selbstzweck. Vegetarisch plus Bio-Produkte (kein Tier darf leiden !!) hat das ethische Niveau wie Vegan. Gesundheits-Unterschiede sind z.B. bei Minimierung von Bio-Milchprodukten nicht wesentlich. Die Ethik muss grundsätzlich Vorrang haben.
    Vielleicht antworten Sie ?
    Gruß und Dank für Ihre Mühe !
    Volker Freiesleben
    Köln

    • meint

      Hallo und vielen Dank für den Kommentar! Wenn Sie den Artikel bis zum Ende gelesen haben, wissen Sie, dass es keineswegs mein Ansinnen ist, „vegetarisch“ und „vegan“ gegeneinander auszuspielen – im Gegenteil. Jeder Mensch, der in den Vegetarismus einsteigt oder auch nur seinen Fleischkonsum zurückfährt und kritischer reflektiert wo er/sie was kauft, sollte unterstützt und nicht ausgegrenzt werden. Jedoch sollte die Unterstützung letztlich dahin gehen, dass eine vegane Lebensführung (die nochmal ein ewiger Weg in sich ist) angestrebt wird. Ihre Aussage, dass „vegetarisch plus Bio-Produkte“ das ethische Niveau wie vegan hat, teile ich nicht. Mir geht es letztlich aber auch nicht darum „ein gewisses ethisches Niveau“ zu erlangen oder dieses zu vergleichen. Auch in der Bio-Produktion tierlicher Lebensmittel werden Tiere ausgebeutet. Das ist Fakt. Und an der Stelle muss Mensch dann halt entscheiden, ob es um Tierschutz oder Tierrecht geht.

      • Sandra Schmid meint

        Lieber Volker, schön dass du dich kurz äusserst!

        Ich halte es wie Matthias. Und wenn man von ethischen Grundsätzen ausgeht, ohne mir anmaßen zu wollen über andere Menschen und ihr Verhalten zu urteilen, komme ich persönlich nicht um eine rein pflanzliche Ernährung umher. Milch- und Eiprodukte beuten Tiere und den Planeten ebenso aus, wie man auch in Bill Gates „Future of Food“ Präsentation zB sehen kann. Das sind klare Fakten. Natürlich hört es bei der Ernährung nicht auf…. Wir sind auf einem gemeinsamen Weg!

        Alles Liebe allerseits!

      • Volker Freiesleben meint

        Moin, Herr Matthias Kampmann !
        1. Vegetarier brauchen eine Unterstützung ? Das kann ich nicht erkennen. Vielleicht brauchen Veganer eine Unterstützung für das Wesentliche im Leben der Menschen ? Aber das ist ein anderes Thema.
        2. Bei unserer Ernährung ist m.E. die Ethik das Wichtigste.
        3. Bei der Bio-Produktion werden Tiere ausgebeutet ? Man könnte versuchen, „Ausbeutung“ von Tier und Mensch zu definieren, aber das wäre nicht zielführend.
        4. Für mich ist entscheidend, dass Tiere nicht von Menschen getötet werden. denn alle Lebewesen haben das gleiche Recht auf Leben.
        5. Tiere müssen schmerzfrei, angstfrei und artgerecht gehalten werden. Zum Beispiel nur Bio-Eier von frei laufenden Hühnern.
        6. Artgerechte Haltung von Tieren, das wäre ein wichtiges Ziel für alle Menschen !!!!!!!
        7. Vom Thema abweichend (bitte um Entschuldigung) : Artgerechte Haltung von Kindern ? Ich könnte vor Karriere-Müttern kotzen.
        8. Das Thema „Unsere Gesundheit“ ist wohl erledigt.

        Freundlichen Gruß !
        Volker Freiesleben

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