„Keine Angst vor dem Auftrennen!“ – Interview mit Marlin von Vegarn

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Vegarn
Vegan lebende Handarbeitsfans bekommen bei Vegarn, was sie sich wünschen: Fair gehandelte, schonend hergestellte Garne ohne tierische Bestandteile. Marlin, die Gründerin des besonderen Online-Shops liebt selbstgemachte Dinge. Auf der Suche nach tollen Alternativen zu Strickgarn aus Merinowolle und Co. beschloss sie kurzerhand selbst etwas auf die Beine zu stellen und eine echte Marktlücke zu füllen.

Heute ist sie sehr stolz auf ihr Geschäft, in dem sie nur Garne aus rein pflanzlichen Materialien verkauft. Bei allen Produkten achtet sie besonders darauf, dass für die Herstellung keine Tierversuche durchgeführt werden und alles an menschenwürdigen Arbeitsplätzen hergestellt wird. Großen Wert legt sie außerdem auf CO2-neutralen Versand sowie eine weitgehend papierlose Kommunikation, um Ressourcen zu sparen und die Umwelt zu schonen. Ich habe mich mal ein Bisschen mit der kreativen Umweltschützerin ausgetauscht und sie hat meine Fragen beantwortet.

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Marlin von Vegarn

Marlin von Vegarn im Interview

Anne: Hallo Marlin! Danke, dass Du Dir die Zeit nimmst, ein paar Fragen zu beantworten! Ich bastle ja selbst gerne mal so dies und das und bin schon ganz gespannt auf Deine Antworten! Sind stricken und häkeln besondere Hobbys von Dir?

Marlin: Inzwischen häkle ich sehr gerne. Richtig eingestiegen bin ich Mitte letzten Jahres durch den Onlineshop, um meine Kundinnen besser verstehen zu können. Dass es mir so gut gefällt, hätte ich nicht erwartet! Das Stricken überlasse ich allerdings lieber weiterhin meiner Mutter.

Anne: Dann gibt es Deinen Shop seit dieser Zeit?

Vegarn gibt es seit 2015

Marlin: Anfang 2014 entstand die Idee durch ein Strickprojekt meiner Mutter und im September 2015 ging dann der Shop online.

Anne: Wie viele Leute arbeiten an Vegarn?

Marlin: Bisher bin ich die alleinige Verantwortliche. Die CI und der Shop sind zusammen mit einer Grafikdesignerin und einem Webprogrammierer entstanden. Mein Feedback zu den Produkten und dem Hobby selbst hole ich mir gerne von meinen Kundinnen und von meiner Mutter.

Anne: Du bist durch eigene Projekte auf die Idee gekommen, den Shop ins Leben zu rufen?

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Sojawachskerze, GOTS-Baumwolle und Bambusnadeln von Vegarn

Marlin: Ja, genau. Es war mein Bedürfnis. Ich entschloss mich für die vegane Lebensweise und wollte zwar auf tierische Wolle verzichten, aber die wollig weichen Schals meiner Mutter nicht missen. Unter dem Stichwort „vegane Wolle“ ließ sich online nichts finden und so entschloss ich mich, diese Marktlücke selbst zu füllen.

Anne: Seit wann lebst Du denn vegan?

Marlin: Seit Anfang 2013.

Anne: Was ist für Dich das wichtigste Argument für vegan?

Marlin: Ursprünglich meine Gesundheit. Nach kurzer Zeit kamen dann auch die herzlosen Methoden in der tierischen Lebensmittelproduktion dazu. Inzwischen lebe ich insofern vegan, dass ich mir keine neuen Produkte tierischen Ursprungs mehr kaufe. Bei Secondhand-Artikeln kann ich Materialien wie Leder und Wolle mit meinem Gewissen vereinbaren.

„Am liebsten mag ich Fair Cotton“

Anne: Welche Materialien verwendest Du denn am liebsten für Deine Garne und welches davon magst du am liebsten?

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Bestellung mit Lavendelsäckchen von Vegarn

Marlin: Das Sortiment wechselt derzeit noch sehr stark. Ich hatte bereits Garn aus Sojaprotein und Ramie. Derzeit führe ich auch Bambus-Viskose, GOTS-zertifizierte Baumwolle sowie handgesponnenes Hanf- und Nesselgarn. Ab Mai wird es zwei neue Garne geben. Einen Rohstoff verrate ich hier gerne schon mal: Tencel. Mein Lieblingsmaterial ist derzeit Fair Cotton, da es sehr viel kuscheliger als klassisches Baumwollgarn ist. Sehr wahrscheinlich wird mein Liebling aber von einem der Neuankömmlinge abgelöst!

Anne: Das klingt ja, als dürfte man auf alle Fälle gespannt sein! Dann werde ich im Mai wohl mal Deinen Shop besuchen! Woher stammen denn die Rohstoffe für die Garne?

Marlin: Der Bambus und die Sojaproteine stammen aus China, die Baumwolle aus Ägypten, Hanf und Nessel aus Nepal und das Tencel aus Österreich.

Anne: In Deinem Shop gibt es ja auch sehr bunte Garne. Woraus bestehen denn die Farben?

Marlin: Die Farben sind entweder Oeko-Tex oder GOTS-zertifizierte, chemische Farben. Färbungen mit Pflanzenfarben stehen auf der Wunschliste und werden für limitierte Kollektionen auf jeden Fall zum Einsatz kommen.

Anne: Und wo wird gefertigt?

Marlin: Bei den derzeitigen Garnen wird in Portugal, Italien und Nepal produziert. Das Tencelgarn wird eigens für uns in der Tschechischen Republik, nahe der deutschen Grenze, gefertigt.

Cradle-to-Cradle beschreibt einen geschlossenen Kreislauf

Anne: Als Ziel für die Zukunft nennst Du auf Deine Homepage unter anderem „Produktion nach dem Cradle-to-Cradle Prinzip. Erklärst Du unseren Lesern, was genau sich dahinter verbirgt?

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Das Vegarn Logo

Marlin: Das Prinzip Cradle-to-Cradle beschreibt einen geschlossenen Kreislauf in dem Ressourcen verwendet anstatt verschwendet werden. Das fertige Endprodukt kann dabei wieder als Rohstoff genutzt werden.

Ein sehr gutes Beispiel ist Glas. Bei jedem Schmelzen und neuen Gießen erhält das Glas die gleichen Eigenschaften, wie zuvor.

Entstanden ist das Prinzip beim Beobachten der Natur. Ein Apfelbaum wächst, indem er Wasser und Sonnenenergie nutzt. Die reife Frucht fällt ab und kann als Kompost wieder dem Wachstum dienen, durch die Kerne entstehen neue Bäume. Mehr darüber kann man zum Beispiel bei Epea oder Cradle-to-Cradle e. V. erfahren. Besonders interessant ist auch das neue Buch „Intelligente Verschwendung“ von den Begründern des Prinzips Michael Braungart und William McDonough. Das neue Tencel-Garn wird nach dem Cradle-to-Cradle Prinzip hergestellt.

Anne: Wo können unsere Leser Deine Garne erstehen?

Marlin: Derzeit gibt es die Garne ausschließlich in meinem Online Shop unter vegarn.eu.

Anne: Zum Schluss möchte ich gerne noch einen Tipp von Dir haben. Was würdest Du einem/r Einsteiger/in beim Stricken oder Häkeln raten?

„Ich mache monatlich einen Stricktreff in Hamburg“

Marlin: Mir haben Video-Tutorials sehr geholfen! Wer besser mit persönlicher Anleitung lernt, sollte sich am besten nach einem Stricktreff umsehen. Vegarn veranstaltet beispielsweise in Hamburg monatlich einen. Infos dazu gibt es auf meiner Seite. Was ganz wichtig ist: Keine Hemmungen vor dem Auftrennen! Tut man das nicht, resultiert das meistens darin, dass man das liebevoll gefertigte Einzelstück niemals trägt und das wäre wirklich sehr schade!

Anne: Vielen Dank für die tollen Tipps und das nette Interview und noch weiterhin viel Erfolg mit Vegarn!

Marlin: Lieben Dank!

Links

  • Hier könnt Ihr Vegarn besuchen.
  • Hier findet Ihr weitere Informationen zum Thema Wolle.

Interview: Anne Reis, cardamonchai.com

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