Voice Design – Deutschlands erste, vegane Werbeagentur wird 15 Jahre alt

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Voice Design Werbeagentur

Die vegane Werbeagentur Voice Design feiert derzeit ihr 15-jähriges Bestehen. Der sympathische Inhaber Andreas Bender war so lieb und stand mir für ein ausführliches Interview zur Verfügung. Andreas ist ein echter Vegan-Pionier und hat die ein oder andere lustige Anekdote zu berichten. Aber lest selbst!

Andreas Bender von Voice Design im Interview

Sabine: Hallo Andreas, vielen Dank, dass du dir Zeit für uns nimmst.

Andreas: Sehr gern, Sabine!

Sabine: Andreas, erkläre mir bitte kurz, was euch von anderen Agenturen und Druckereien unterscheidet!

Andreas BenderAndreas: Mmh… Wenig bis alles. 😉 Wir gestalten und produzieren – das haben wir mit anderen Agenturen und Druckereien gemein. Allerdings ist die Frage, wie und für wen wir dies tun. Wir sagen immer, dass wir ein ethisch basiertes Unternehmen sind. Und das meinen wir auch so. Unsere Roh- und Hilfsstoffe sind so vegan wie möglich, so umweltfreundlich wie möglich und so fair wie möglich. Außerdem arbeiten wir nicht für jeden. Denn schließlich wollen wir nicht unter der Woche dafür sorgen, dass ausgerechnet der Betrieb mehr Umsatz macht, gegen den wir am Wochenende demonstrieren. Das heißt im Umkehrschluss, dass wir wirklich gern für unsere Kundinnen und Kunden arbeiten, denn wir mögen, was sie tun.

Sabine: Du sagst „so vegan wie möglich, so umweltfreundlich wie möglich und so fair wie möglich“. Wie ist das gemeint?

Andreas: Es ist einfach eine Frage der Definition und Machbarkeit in dieser Zivilisation. Ein Beispiel: Wenn ich Frischfaserpapier verwende, werden dafür Bäume gefällt, quer durch’s Land (oder gar rund um den Globus) gekarrt und zu eben diesem Frischfaserpapier verarbeitet. Das zerstört Wälder, verbraucht Unmengen an Energie und Wasser, stößt CO2 aus und all das gilt gemeinhin nicht als umweltfreundlich. Verwende ich Recyclingpapier, wird altes Papier wieder aufbereitet. Dafür werden keine Bäume gefällt und wesentlich weniger Wasser und Energie aufgewendet. Auch der CO2-Ausstoß ist merklich geringer. Dies gilt als umweltfreundlich. Wenn wir aber ehrlich sind, wird es die Umwelt nicht als besonders freundlich ansehen, denn schließlich wird noch immer Energie verbraucht und LKW fahren mit dem Altpapier und später dann mit dem Recyclingpapier durch die Welt. Es wird CO2 ausgestoßen, Straßen durchziehen die Natur… Es ist weniger schlecht, aber nicht wirklich freundlich. Wir alle konsumieren und schaden damit der Umwelt. Wir haben daher nur zwei Möglichkeiten: Aussteigen und ohne Technik, Häuser, Straßen etc. leben oder aber in der Zivilisation verbleiben und versuchen, dort so wenig Schaden wie möglich anzurichten. Wenn wir in der Zivilisation verbleiben, müssen wir uns auch an einige Regeln dort halten (z.B. Geld erwirtschaften). Dafür haben wir aber die Möglichkeit, Menschen zu erreichen, die sich über ihr Konsumverhalten noch keine Gedanken gemacht haben, und ihnen ein Vorbild zu sein. Wir haben uns für die Vorbildfunktion entschieden. Als Firma müssen wir wirtschaften, achten aber auf nachhaltige(re) Rohstoffe (z.B. Recyclingpapier, Biobaumwolle etc.), wählen wann immer es geht das Produkt aus möglichst fairer Produktion, drucken mit umweltfreundlicheren Farben, nutzen umweltfreundlicheres Verpackungsmaterial, versenden klimaneutral usw. und hoffen, dabei viele Menschen zum Nachdenken und Handeln anzuregen. Glücklicherweise funktioniert das immer wieder.

Sabine: Und wie ist das mit „möglichst vegan“?

Andreas: Unseres Wissens sind alle von uns verwendeten Roh- und Hilfsstoffe frei von tierlichen Bestandteilen. Wir klären das immer ab und ich glaube, wir trieben dabei schon so einige Hersteller in den Wahnsinn. Das bedeutet: Unsere Papiere, Klebstoffe, Druckfarben usw. sind alle – was die Inhaltsstoffe angeht – vegan. Allerdings geht für uns die Definition von „vegan“ über die Inhaltsstoffe hinaus. Wichtig ist uns auch, dass die Stoffe nicht am Tier getestet werden. Doch hier stoßen wir immer wieder an unsere Grenzen. Spätestens seit REACH, den Chemikalientests der Europäischen Union, sehe ich schwarz. Denn hier werden auch solche Chemikalien getestet, die schon seit Jahrzehnten auf dem Markt sind. Einfach noch mal, um „auf Nummer Sicher“ zu gehen. Als wäre das mit Tierversuchen der Fall… Das heißt: In Kürze sind alle „tierversuchsfrei“-Siegel für den Allerwertesten, denn die EU sorgt gerade dafür, dass so ziemlich jede Substanz dieses Planeten am Tier getestet wird. Was wir aber sagen können: die Hersteller der von uns verwendeten Druckfarben haben keine Tierversuche durchgeführt oder in Auftrag gegeben. Mehr kann momentan leider nicht zugesagt werden.

Sabine: In welchen Bereichen seid ihr tätig?

Andreas: Oh, inzwischen in ziemlich vielen Bereichen. Angefangen habe ich als 1-Mann-Werbeagentur (Anm. der Redaktion: Das war bei unserer Agentur genauso) in der eigenen Wohnung. Die Produktion habe ich quasi nur abgewickelt, also das Gestaltete dann an eine Druckerei gegeben, die das dann für mich produzierte. Wann immer ein paar Mark oder Euro übrig waren, habe ich Maschinen angeschafft, um auch selbst drucken und verarbeiten zu können. Aus diesem Grund wurde dann aus voice-design schließlich voice-design | Werbung, Design & Druck. Inzwischen arbeite ich hier nicht mehr allein, die Firma ist auch nicht mehr in einer Ecke des Wohnzimmers untergebracht und wir haben Kunden in ganz Deutschland sowie in Österreich, der Schweiz, Belgien und den USA. Nach der Gestaltung und dem Druck auf Papier kamen die CD- und DVD-Produktion und der Druck auf Textilien hinzu. Letzteres ist inzwischen eines unserer Haupt-Standbeine geworden. Zudem bieten wir Webdesign an und seit dem Mai vergangenen Jahres auch die Videoproduktion. Hierfür haben wir unser Team auch noch einmal um einen Mitarbeiter erweitert. Wir beschriften Schaufenster und Fahrzeuge, kümmern uns um nachhaltige Werbemittel… Ein Journalist fragte mich kürzlich, ob wir uns da nicht verzetteln. Wir bieten viel an, ja. Aber: Das ist alles innerhalb der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte natürlich gewachsen. Außerdem bieten wir erst dann etwas offiziell an, wenn wir uns auch sicher sind, die Erwartungen unserer Kundinnen und Kunden erfüllen zu können. Unser erstes Video produzierten wir beispielsweise im Mai 2013. Erst ein Jahr später erstellten wir auf unserer Website die dazugehörige Rubrik und bewarben die Videoproduktion als eine unserer Leistungen. Das verringert die Stolpergefahr.

Impressionen und Referenzen von Voice Design

Sabine: Wie ist vor 15 Jahren die Idee für eine Druckerei, bei der ethisch-ökologische Aspekte im Vordergrund stehen, entstanden?

Andreas: Die Idee war gar nicht, eine eigene Druckerei zu gründen. Angefangen hat alles mit einem Tierrechtsmagazin. Es sollte als Stimme der Tiere fungieren, weshalb ich ihm auch den Namen voice gab. Die erste Ausgabe erschien im Januar 1995. Damals war die Tierrechtsbewegung noch eine ganz andere als heute und kaum jemand in der Bevölkerung wusste, was „vegan“ bedeutet. Vegetarier_innen galten Mitte der 1990er Jahre als die totalen Freaks. Dennoch gab es schon einen Vegan-Shop in Frankfurt, einen Vegan-Versand in Laupheim und ein paar Hersteller veganer Lebensmittel. Apropos: Bei der Huffington Post läuft derzeit eine Serie über die Pioniere der veganen Wirtschaft. Letzten Samstag ging es um jenen Vegan-Versand. Jedenfalls gab es schon damals vegane Unternehmen, doch diese waren marketing-technisch nicht annähernd auf dem Stand heutiger veganer Unternehmen. Sprich: sie hatten in der Regel keine Anzeigenvorlagen. Ich wollte aber Anzeigen im Heft haben, um nicht so viel privat in das Magazin investieren zu müssen. Nachdem ich mehrere Male hörte, dass sie gern eine Anzeige schalten würden, aber gerade keine passende Anzeigenvorlage liefern können, bot ich ihnen an, die Anzeige für kleines Geld zu gestalten. Ich war damals selbst noch Auszubildender aber die Firmen waren mit dem, was ich ihnen da zurechtfriemelte, sehr zufrieden. Später fragten sie an, ob ich auch andere Dinge für sie gestalten könne – Kataloge zum Beispiel oder Flyer. Das war der Anfang von voice-design. Ende 2004 wurde das Magazin eingestellt, voice-design blieb bestehen.

Sabine: Gibt es besondere Anekdoten der letzten 15 Jahre, die dir in Erinnerung geblieben sind?

Andreas: Oh, einige… Ich finde es beispielsweise immer wieder witzig, dass sich Firmen bei uns melden, die sich eigentlich denken müssten, dass wir nicht für sie arbeiten wollen. Den Anfang machte 2007 die Deutsche Stimme, eine Publikation der NPD. Ich scherzte damals noch, dass sie wohl unseren damaligen Slogan „ethisch bewusst. fair. preiswert.“ vollkommen missverstanden hätten. Wir seien nicht ethnisch bewusst, sondern ethisch bewusst. International griffen die Medien das Thema auf und machten sich darüber lustig, dass ein rechter Verlag ausgerechnet bei einer linken Druckerei drucken lassen will. Die Frankfurter Rundschau titelte damals „Heim ins Reich“, denn tatsächlich suchte die Deutsche Stimme deshalb nach einer neuen Druckerei, weil sich die Medien darüber amüsierten, dass die „aufrechten Deutschen“ der NPD nicht in der Heimat, sondern im billigen Ostblock drucken ließen. Wir haben einige der Artikel auf unserer Website in der Rubrik „Aktuell“ verlinkt. Anfang vergangenen Jahres kamen auch der Pharmakonzern Roche auf uns zu, kurz darauf ein Fleischgroßhändler. Wir hatten hier schon unseren Spaß… 😉

Sabine: Was habt ihr euch zum 15. Geburtstag für eure Kunden (Jubiläums-Angebote, Rabatte?) überlegt?

Andreas: Wir werden jeden Monat ein neues Sonderangebot raushauen. Jetzt im Januar zum Beispiel liefern wir auf Wunsch 10% mehr bei allen Laser- und Offsetdruck-Aufträgen. Das heißt: Wenn 10.000 Flyer bestellt werden, liefern wir auf Wunsch 1.000 weitere Flyer gratis. So haben wir uns für jeden Monat spezielle Angebote überlegt. Außerdem läuft bis zum 01. Oktober, unserem 15. Geburtstag, ein großes Gewinnspiel. Der glückliche Gewinner oder die glückliche Gewinnerin wird mit einer Begleitung nach Berlin reisen und dort im veg. Bio-Hotel essentis ein verlängertes Verwöhn-Wochenende verbringen dürfen. Inklusive veganem 3-Gänge-Menü, Frühstück, Zimmer mit Blick auf die Spree, Meditation, Yoga, Saunabesuch…

Kommentare

  1. meint

    Hey, dieses Interview ist GROßARTIG !!!

    Genau danach ist mir. Für so eine Firma würde ich richtig gerne arbeiten.
    Solltet Ihr irgendwann mal eine Designerin suchen und es aushaltet, dass wir eher per Skype Kontakt halten, dafür aber auch multikulturell beeinflusstes Design bekommt, dann wäre es mir eine Ehre.

    Beste Grüße,
    MK

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