Zirkus und Tierschutz – aus der Vortragsreihe des JiB, Münster

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Zirkus und Tierschutz

Immer wieder montags gibt es die Vortragsreihe Umweltbildung des Jugendinformations- und -bildungszentrum (Jib) der Stadt Münster. So geschehen auch am Montag, dem 23.06.2014, diesmal mit dem spannenden Thema Zirkus und Tierschutz.

„Zirkus und Tierschutz“ mit Dr. Martina Stephany

Hierfür eingeladen und aus Hamburg angereist war Dr. Martina Stephany von Vier Pfoten, einer Stiftung für Tierschutz. Trotz der interessanten Thematik hat sich leider nur ein kleines Publikum zusammen gefunden – vielleicht wegen des guten Wetters, vielleicht war auch die WM-Konkurrenz zu stark. Der Termin war aufgrund eines wichtigen Auslandsaufenthaltes der Referentin für die Stiftung von Mai auf Juni verschoben worden und so in die Fußball-WM-Zeit gerutscht.

Jan-Malte Schui vom Jib leitete den Abend wie gewohnt mit einigen lockeren Sätzen ein und überließ dann Dr. Stephany das Wort, die sich dem Publikum ebenso locker als Martina und Kampagnenleiterin bei Vier Pfoten vorstellte. Sie lebe vegan, berichtete sie uns, und sei seit drei Jahren bei der Stiftung beschäftigt und für diese Tätigkeit von Münster nach Hamburg gezogen. In Münster habe sie ihr Studium absolviert und auch promoviert.

Lebendiger Vortrag in überschaubarer Runde

Mit ihrer offenen und lebendigen Art vorzutragen hatte sie die Menschen um sich herum schnell an das Thema „Zirkus und Tierschutz“ herangeführt. Ich hatte den Eindruck, dass sie mit viel Herzblut bei der Sache war und das kam auch beim Publikum an: Schon nach kurzer Zeit war das Eis zwischen den Besuchern und der Referentin gebrochen. Die überschaubare Runde hatte den Vorteil, dass viel Raum für Fragen blieb, die auch während des Vortrags gestellt werden durften, so dass es nie steif oder langatmig wurde.

Die Stiftung Vier Pfoten

Martina schilderte uns, welche Aufgaben die Stiftung Vier Pfoten übernehme, nämlich zum einen die Arbeit in Projekten und Vor-Ort-Hilfe, wie z. B. im Bärenwald Müritz, Löwenpark Südafrika oder im Form von Kastrationsprojekten für Streunertiere. Zum anderen aber auch umfangreiche Kampagnen, die zu ihren Aufgaben zählten, u. a. Kampagnen zur Beendigung von Käfighaltung für Legehennen, Abschaffung von illegalem Welpenhandel, Tierversuchen oder Lebendrupf bei Gänsen. Zwei weitere Kampagnen hatte sie als Schwerpunkt ihres Vortrags gewählt, das Leid von Wildtieren in Zirkussen und Pelztieren für die Mode.

Schlimme Zustände in deutschen Zirkussen

In Deutschland reisten derzeit 82 Zirkusse mit über 300 Wildtieren von Ort zu Ort. Auf die Bedürfnisse von Wildtieren könne hierbei nicht ausreichend Rücksicht genommen werden. Die Haltung erfolge in kleinen Käfigen und winzigen Gehegen und an Transport-Tagen stünden die Tiere viele Stunden in den noch kleineren Transportern. Natürliche Bedürfnisse wie Revierverhalten, baden, klettern oder soziale Kontakte könnten nicht ausgelebt werden. Elefanten, die in Fußfesseln den Großteil des Tages verbringen müssten, seien keine Ausnahme. Viele Tiere hätten Verhaltensstörungen, wie z. B. das sogenannte Weben, einem rhythmischen Hin- und Herschaukeln des Körpers, Rüssels oder Kopfs. Auch würden Tiere häufig aggressiv als Folge der schlechten Haltungsbedingungen und es passierten viele Ausbrüche und Unfälle, bei denen Menschen verletzt würden. Kopfstand von Elefanten beispielsweise sei lt. Experten tierschutzwidrig. Als Kontrollbehörde gebe es lediglich das Veterinäramt. Grundlage für die Haltungsbedingungen der Tiere seien lediglich Zirkusleitlinien, deren Umsetzung im Ermessen des jeweiligen Amtsveterinärs läge.

Der Bundesrat und die Bundestierärztekammer forderten bereits ein Verbot von Wildtierhaltung in Zirkussen, bisher ohne Erfolg. Auch die Änderung des Tierschutzgesetzes im letzten Jahr habe zu keiner Verbesserung der Bedingungen geführt. Viele Länder hätten bereits ein Verbot von Wildtieren in Zirkussen durchgesetzt, davon 19 EU-Länder.

Auch über die Kampagne „Zeig Haut gegen Pelz“ wurde berichtet

Für die Pelzproduktion würden weltweit jährlich 100 Millionen Tiere getötet. Pelz sei wieder in Mode gekommen. Vielfach wüssten die Verbraucher allerdings auch gar nicht, dass sie Echtpelz in Form von Krägen oder Bommeln an ihrer Kleidung hätten. Trotz gesetzlicher Vorschriften hinsichtlich der Mindestgrößen pro Tier hielten sich viele Züchter nicht daran und hätten die seit 2011 vorgeschriebenen größeren Käfige bis heute nicht umgesetzt.

In einigen Videos wurde uns veranschaulicht, unter welchen entsetzlichen Bedingungen die Pelztiere hinvegetieren – in Käfigen aus Draht, in langen Reihen zusammen gepfercht.

Zum Ende hin hat uns Martina die aktuellen Kampagne „Zeig Haut gegen Pelz“ vorgestellt, bei der sich mensch auf http://parade-gegen-pelz.org einen „Nacketar“ erstellen, in den Marsch gegen Pelz einreihen und mitprotestieren kann. Prominentester Nacketar sei Udo Lindenberg. Dies war für Einige nach der doch eher schweren Kost ein willkommener Anlass zum Schmunzeln.

Jan-Malte Schui verriet uns im Anschluss noch, dass es die Veranstaltungsreihe auch 2015 geben wird und lud Dr. Martina Stephany fürs nächste Jahr erneut nach Münster ein. Darauf können wir uns also jetzt schon freuen.

Dieser Bericht wurde von Birgit Schulze vom Tierrechtstreff Münster verfasst.

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